Johnson Electric: Mit Motoren groß geworden

    Ein Familienunternehmen als Marktführer

    Johnson Electric produziert über 1 Mrd. Mikromotoren weltweit.

    Johnson Electric wurde 1959 in Hongkong als Firma für Mikromotoren gegründet. Schon in den 1960er Jahren exportierte das Unternehmen seine Elektromotoren in die USA und nach Großbritannien. Vor allem in batteriebetriebenen Spielwaren, die zu der Zeit massenhaft von Hongkong aus exportiert wurden, steckten die Motoren von Johnson Electric, wodurch das Unternehmen stark wuchs. Ab den 1970er Jahren wurden die elektrischen Motoren auch zunehmend in Autos verbaut (z.B. elektrische Fensterheber), die Firma profitierte hier zusätzlich von der steigenden Anzahl an Elektromotoren, die in Fahrzeugen verbaut werden (zwischen 1982 und 2002 stieg diese Zahl bereits um 25 Stück je Auto). Heute erwirtschaftet das Unternehmen über EUR 1,5 Mrd. Umsatz im Jahr, beschäftigt über 44.000 Mitarbeiter und ist mit Stückzahlen von über 1 Mrd. einer der größten Anbieter von Mikromotoren weltweit. Die große Mehrheit der Mitarbeiter, etwa 30.000, arbeitet in der sogenannten „Johnson-City“ in Shajing in China in der Produktion. Diese Konzentration der Mitarbeiter zusammen mit den hohen Produktionsvolumina lässt Johnson Skaleneffekte realisieren, wodurch die Produktionskosten sinken. Dazu kommen noch die verhältnismäßig geringen Lohnkosten in China.

    Um schnelle Abläufe und die gleichbleibend hohe Qualität zu erreichen, die europäische Kunden fordern, verfolgt Johnson Electric eine vertikal integrierte Unternehmensstrategie. Während das Unternehmen keine breite Produktpalette anbietet, sondern sich stark auf Motoren und Schalter konzentriert, ist die Fertigungstiefe dabei recht hoch. Viele Komponenten für die Produkte werden selbst hergestellt. Organisatorisch hat das Unternehmen fünf verschiedene Sektoren: Automotive, Industry, Medtech, Components and Services und Other Businesses. Die größte Einheit, Automotive, trägt über 50% des Umsatzes bei, Johnson bietet über 40 verschiedene Motoren allein für Automobile an. Das Unternehmen hängt also zu großen Teilen von der Automobilindustrie ab, was momentan hohes Wachstum bringt, da sich die Autobauer in Europa, USA und China wieder erholen. In den Krisenjahren allerdings wurden bis zu 8.000 Arbeitsplätze abgebaut, der Umsatz konnte die gewohnten Wachstumsraten nicht halten.

    Etwa 60% der Firmenanteile sind in Familienbesitz.

    Schon seit 1984 ist Johnson Electric an der Börse in Hongkong notiert. 60% der Firmenanteile besitzt die Familie des Firmengründers Wang; dessen Sohn ist seit Anfang der 1970er im Unternehmen und führt es seit 1996, wobei auch noch andere Familienmitglieder in der Unternehmensleitung mitwirken. Der einzige weitere Großaktionär mit über 5% der Anteile ist die amerikanische Firma Capital Research and Management Company.

    Schon seit den 1970er Jahren „Going West“

    Johnson Electric gehört zu den Unternehmen aus China bzw. Hongkong, die bereits früh den Weg ins Ausland suchten; vor allem die großen Abnehmer, die die hohen Stückzahlen und damit einhergehende Skaleneffekte ermöglichen, sind wichtig für die Strategie des Unternehmens.

    Bei der Internationalisierung waren die USA 1976 das erste Ziel im Ausland.

    Erstes Ziel im Ausland war 1976 die USA, zeitgleich mit dem Einstieg im Automotive-Bereich. Seit 1999 ist die Zentrale der Johnson Electric Automotive Inc. in Plymouth, Michigan, die der Johnson Electric North America Inc. ist in Shelton, Connecticut. Andere Niederlassungen resultieren aus den Übernahmen von Saia-Burgess und Parlex. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent macht Johnson Electric 21,1% seines Umsatzes.

    Bevor Johnson nach Europa expandierte, eröffnete das Unternehmen 1988 eine Niederlassung in Japan. 1992 folgte die Eröffnung eines Engineering Centers in Europa. In den folgenden Jahren kamen, auch durch Mergers, weitere Niederlassungen hinzu, etwa in Italien, der Schweiz, Frankreich, Österreich und Großbritannien. Der Anteil Europas am Gesamtumsatz betrug im Jahre 2011 40,2%, am Umsatz der Automotive Sparte sogar 50.4%.

    Johnson sucht also auch im Ausland die Nähe zum Kunden. In Japan, Europa und den USA ist dies besonders die Kundennähe zu den großen international erfolgreichen Automobilherstellern.

    Zukäufe vor allem im Automotive-Bereich

    Johnson Electric ist abhängig vom volatilen Automobilmarkt.

    Um das Unternehmen weiter zu vergrößern, setzt Johnson Electric sowohl auf organisches Wachstum als auch zunehmend auf Übernahmen anderer Unternehmen. Zum einen, um neue Märkte zu erschließen, zum anderen auch, um neue Technologien und neues Know-how zu akquirieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen, denn durch die Präsenz in verschiedenen Regionen ist Johnson zwar regional diversifiziert, aber durch den hohen Umsatzanteil der Automobilindustrie ist das Unternehmen noch in nicht unerheblichem Maße von dieser stark konjunkturabhängigen Branche abhängig.

    Die erste große Übernahme Johnsons war der Kauf der Elektromotorsparte der US-amerikanischen Lear Corporation, einem Zulieferer für Interieur-Teile und Sitze für Automobile, für EUR 233,1 Mio. im Jahr 1999. Teil des Deals war auch die Gate S.p.a., einer der Weltmarktführer für Kühlgebläse. Die Zentrale der Elektromotorsparte von Lear in Plymouth wurde zum US-Hauptsitz der Automotive-Sparte von Johnson. Große Teile der Produktion der übernommenen Sparte wurden nach der Übernahme nach China verlegt, was Johnson wenig Sympathien bescherte. Zudem hatte das Unternehmen auch Mitarbeiter mit gültigen Verträgen übernommen, woraufhin erst eine Einigung mit der Gewerkschaft gefunden werden musste, was die Aufnahme der Produktion in China bis 2001 hinauszögerte.

    Im Jahre 2001 folgten die nächsten Übernahmen: Für EUR 9,4 Mio. kaufte Johnson Electric diesmal nur das Betriebsvermögen des Elektromotorengeschäfts von Kautex Textron und erhielt so Zugang zu neuen Einsatzbereichen u.a. im Automobilsektor und hatte keine arbeitsrechtlichen Probleme. Zudem übernahm Johnson für knapp EUR 9,0 Mio. gezielt das Betriebsvermögen des Sitzmotorenherstellers ArvinMeritor. Nach dem Kauf wurde die Produktion jeweils nach China verlagert.

    Auch 2004 machte Johnson mit zwei Übernahmen Schlagzeilen. Zuerst kaufte das Unternehmen 51% der israelischen Nanomotion Ltd., einem Hersteller für Piezo-Keramikmotoren. Danach übernahm Johnson für EUR 10,7 Mio. auch noch die übrigen 51% am Kameramotorhersteller Nihon Mini Motor, nachdem das Unternehmen bereits 2003 49% erstanden hatte.

    Die größte Akquisition war der Kauf Saia-Burgess für EUR 530,2 Mio.

    Die größte Akquisition tätigte Johnson Electrics 2005, als es etwa EUR 530,2 Mio. für den schweizerischen Automobilzulieferer Saia-Burgess bezahlte. Saia-Burgess ist Weltmarktführer für Schrittmotoren und Subsysteme und ergänzt das Angebot von Johnson Electric im Automotive-Bereich.

    Im selben Jahr übernahm Johnson Electric auch die US-amerikanische Parlex Corp. für EUR 35,3 Mio. Das Unternehmen mit Produktionsstätten in den USA, Mexico, Großbritannien und China stellt flexible Schaltungen und Kabel her. Patrick Wang, CEO von Johnson Electric, begründete die Übernahme mit der Expertise von Parlex im Bereich elektronischer Bauteile, die die Produkte Johnsons ergänzen.

    2007 weitete Johnson Electric sein Geschäftsfeld aus, indem es eine Medtech-Sparte gründete. Die Expertise des Konzerns findet sich auch in den Produkten der Medtechsparte, der so sein Know-how in ein weiteres Geschäftsfeld einbringen und sich weiter diversifizieren kann.

    Internationale Forschung durch Akquisitionen im Ausland

    Johnson Electric hat F&E-Einrichtungen auf der ganzen Welt.

    Die F&E-Zentren des Konzerns, die so genannten Innovation Centers, sind auf der ganzen Erde verteilt, vor allem in technologischen und wirtschaftlichen Schlüsselregionen. So ist Johnson Electric sowohl nah bei den Kunden, die selbst meist in diesen Regionen niedergelassen sind, sowie nah an neuen Technologien, die noch immer mehrheitlich aus den entwickelten Ländern kommen. Die Innovation Centers liegen in den USA, Deutschland, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Israel, China und Japan. Auch die Innovation Centers sind teilweise durch Übernahmen anderer Unternehmen zu Johnson Electric gekommen, beispielsweise die F&E-Zentren in Murten in der Schweiz (Saia-Burgess), Asti in Italien (Gate) oder Methuen in den USA (Parlex).

    Eine exakte Analyse der Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen, sowie der Trademarkanmeldungen war bei Johnson Electric leider nicht möglich.

    References

    Sorry, you can not to browse this website.

    Because you are using an outdated version of MS Internet Explorer. For a better experience using websites, please upgrade to a modern web browser.

    Mozilla Firefox Microsoft Internet Explorer Apple Safari Google Chrome