SAIC: Mit VW auf der Vorfahrtsstraße

    Immenses Wachstum des Produktionsvolumen

    Die Anfänge des Unternehmens liegen im Jahr 1955, in dem die Shanghai City Diesel Parts Manufacturing Company gegründet wurde. Die Automobilproduktion begann 1958 mit Autos der Marke Phoenix, ab 1964 liefen die PKW unter dem Namen Shanghai vom Band. Das jährliche Produktionsvolumen lag zu dieser Zeit bei 50 Einheiten. Nach verschiedenen Restrukturierungen und Zusammenschlüssen wurde der Name im Jahre 1990 in Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) geändert. 1991 wurde dann die Produktion der eigenen Marke eingestellt, um sich auf die Herstellung anderer Fabrikate zu konzentrieren.

    Seit 2004 ist SAIC durchgängig in der Fortune Global 500 Liste vertreten.

    Inzwischen ist SAIC der Autobauer mit dem höchsten Absatzvolumen in China, 2010 verkaufte das Unternehmen fast 2,3 Mio. PKW und 1,3 Mio. LKW und machte damit EUR 40,8 Mrd. Umsatz. Seit 2004 ist das Unternehmen durchgängig in der Fortune Global 500 Liste. Im Jahre 2011 verbesserte sich das Unternehmen national auf den 16. Rang, international belegte SAIC den 151. Platz (2010: 17. Platz national, 223. Platz international). Über 104.000 Mitarbeiter arbeiten für den Konzern, der zu 100% der Stadt Shanghai gehört.

    Die Produktpalette von SAIC umfasst neben PKW, LKW und Bussen auch Autoteile. Vor allem das Tochterunternehmen HUAYU Automotive Systems Co Ltd., gegründet 1992, produziert diese Autoteile und ist in Shanghai an der Börse notiert.

    Das wichtigste Tochterunternehmen des Konzerns ist der Autohersteller SAIC Motor Co Ltd., der über 65.000 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1997 ist das Unternehmen an der Shanghaier Börse gelistet, die SAIC Group ist mit über 78% der Anteile der kontrollierende Mehrheitseigner.

    Seit 2006 produziert das Unternehmen auch wieder PKW einer eigenen Marke: 2010 wurden 88.000 PKW der Marke Roewe verkauft. Inzwischen werden fünf verschiedene Modelle angeboten. Angesichts der geplanten 120.000 Einheiten und 30 Modelle sind die Zahlen bisher aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Absatz soll durch Sponsoring und den Einsatz neuer Technologien vergrößert werden. Deshalb sponserte SAIC 2010 die Expo in Shanghai und stellte umweltfreundliche Autos zur Verfügung. Ab 2012 sollen die ersten Hybridautos der Marke Roewe auf den Markt kommen.

    Im Westen (fast) nichts Neues

    Die Internationalisierung des Unternehmens nimmt erst in den letzten Jahren nennenswerte Züge an. Zwar wurden in Südkorea schon Anteile an Daewoo und SsangYong gekauft, um ein globales Vertriebsnetzwerk aufzubauen und von den Technologien der Konzerne zu profitieren, genutzt wurden sie allerdings wenig. Seit SsangYong 2009 in Gläubigerschutz gefallen war, hat SAIC auch keine Kontrolle mehr über den Konzern.

    Seit 2002 exportiert SAIC Minivans aus dem Joint Venture mit GM und Wuling nach Südamerika, in den Mittleren Osten und nach Afrika, wobei dieses dann meist das Emblem des Joint Venture Partners GM tragen.

    Auch die Modelle der eigenen Marke Roewe werden unter einem anderen Markenzeichen exportiert. Sowohl in Peru als auch in Chile laufen die Modelle unter dem Namen MG, importiert werden sie seit 2008 von SKBergè, das auch andere Marken (etwa SsangYong oder Maserati) in Lateinamerika vertreibt. In Weißrussland bietet SAIC seit 2009 Roewe-Modelle mit dem MG-Logo an; inzwischen sind dort fünf Modelle verfügbar.

    Seit 2011 verkauft SAIC unter der Marke MG auch ein Model in England.

    Seit 2011 verkauft das Unternehmen unter der Marke MG auch ein Model in England. Die Fahrzeugeinzelteile des Modell MG 6 werden in China produziert und im Werk im englischen Longbridge bei Birmingham endmontiert, 3000 Stück sollen jährlich verkauft werden. Beim Euro NCAP Crashtest erreichte der chinesische Export beachtliche 4 Sterne. Vor wenigen Jahren noch waren andere PKW aus China, wie der Landwind oder der Brilliance BS6, beim Test durchgefallen. Die Markteinführung in anderen Länder, sowie neue Modelle, sollen folgen. Bis 2015 möchte SAIC 700.000 Einheiten in Europa absetzen. Nachdem sich SAIC mit Roewe das erste Mal mit einem eigenen PKW auf die ausländischen Märkte wagte, soll dieser Schritt auch mit einem Nutzfahrzeug gewagt werden. Dafür wurde im Jahr 2011 auf der Shanghai Auto Show der Maxus Datong V80 vorgestellt. Er basiert auf der Technik des LDV Maxus, die zeitgemäß ergänzt wurde. Die Rechte an der Basis und der Marke sowie die Produktionsgeräte kamen durch den Zusammenschluss mit Nanjing Automobile. International soll nun die Vertriebskette von LDV, einem britischen Van-Hersteller, der den Maxus erstmals herstellte und dessen Konkursmasse Nanjing Automobile übernommen hatte, genutzt werden, um die Fahrzeuge der Marke Maxus Datong zu vertreiben. In der Asien-Pazifik-Region kümmert sich das malaysische Unternehmen WestStar um den Vertrieb.

    Außerdem bereitet SAIC zusammen mit GM den Eintritt in den indischen Markt vor, wo sie gemeinsam eine Fabrik aufbauen wollen. Danach sollen auch andere Märkte dieser Regionfolgen, etwa Malaysia, Thailand und Indonesien.

    Aus dem Vorgehen bei der Internationalisierung ist deutlich abzulesen, dass SAIC eine „Bottom-Up“-Strategie verfolgt. Zuerst werden die eigenen Modelle in Schwellen- oder Entwicklungsländer exportiert, danach wagte das Unternehmen den Sprung nach Europa. Dass dabei zuerst Großbritannien mit der Marke MG ins Auge gefasst wurde, macht, angesichts des Ursprungs der Marke, bestimmt Sinn.

    Kooperationen machen SAIC stark

    SAIC setzt bei seinem Wachstum stark auf Kooperationen mit ausländischen Herstellern und Firmenübernahmen. Dieses Konzept machte den Autobauer, der noch vor 40 Jahren eine Produktionskapazität von 50 Fahrzeugen im Jahr hatte, zum größten Automobilproduzenten Chinas; wegweisend war dabei die Kooperation, die SAIC im Jahre 1985 mit Volkswagen einging.

    2009 lief bereits der fünfmillionste Volkswagen vom Band, der bei Shanghai-Volkswagen gebaut wurde.

    Das Joint Venture Shanghai Volkswagen produziert nicht nur Volkswagen- sondern auch Skoda-Fahrzeuge. 2009 lief bereits der fünfmillionste Volkswagen vom Band, der bei Shanghai-Volkswagen gebaut wurde. Insgesamt umfasst das Joint Venture vier Fahrzeugwerke, ein Motorenwerk sowie ein Technologie- und ein Designzentrum.

    Im Jahre 1997 startete SAIC ein Joint Venture mit dem amerikanischen Automobilkonzern General Motors (GM); ein Jahr später ging das erste Automobil daraus hervor, der Buick New Century. Das Gemeinschaftsunternehmen produziert außer Buick noch Fahrzeuge der Marken Chevrolet und Cadillac.

    Seit 2002 haben GM, SAIC und Wuling Motors ein gemeinsames Joint Venture für den Bau von Minivans, die auch ins Ausland exportiert werden, zum Beispiel nach Afrika, Peru und in den Mittleren Osten.

    Im selben Jahr kaufte sich SAIC mit 10% beim südkoreanischen Autobauer Daewoo ein. Es war der erste Schritt, den SAIC ins Ausland wagte. Der Konzern erhoffte sich, von der Technologie und der Vertriebsstruktur Daewoos und des anderen Eigentümers, GM, profitieren zu können. EUR 44,9 Mio. ließ sich das Unternehmen den Anteil kosten.

    Im Jahr 2004 bezahlte SAIC für 48,9% der Firmenanteile des viertgrößten südkoreanischen Autohersteller SsangYong EUR 375,9 Mio. Obwohl SAIC keine Mehrheit besitzt, hat das Unternehmen eine Kontrollbefugnis. Somit tätigte SAIC als erster chinesischer Automobilhersteller eine Übernahme im Ausland. Das Ziel der Übernahme war es, vom Vertriebsnetz, dem Markennamen und dem Know-how der Südkoreaner zu profitieren. SsangYong wurde aber 2009 nach einem massiven Umsatzeinbruch zahlungsunfähig, SAIC war nicht bereit, weiteres Kapital nachzuschießen. Ein Seouler Gericht erteilte SsangYong dann Gläubigerschutz, SAIC verlor die Kontrolle über das Unternehmen und wurde vom Gericht verwaltet. 2011 übernahm das indische Unternehmen Mahindra & Mahindra den koreanischen Autobauer.

    Ebenfalls im Jahre 2004 sicherte sich SAIC die Rechte an den Baureihen 25 und 75 von der insolventen MG Rover Group. Die Rechte an MG und das Werk in Longbridge in England übernahm der chinesische Automobilkonzern Nanjing Automobile Group. Da BMW die Rover Namensrechte jedoch an Ford weiterverkaufte, musste SAIC die Modelle 25 und 75 unter einem anderen Name verkaufen. Sie bildeten deshalb die Basis für Roewe, die eigene Marke von SAIC, die 2006 auf den chinesischen Markt kam.

    Die chinesische Regierung, die eine Konsolidierung des zergliederten chinesischen Automobilmarktes anstrebt, brachte im Jahre 2007 SAIC und Nanjing Automobile zusammen, damit die Automobilunternehmen ihre Kräfte bündeln und Synergieeffekte realisieren können. Nanjing Automobile brachte auch die Rechte an MG in die Verbindung ein. So konnte SAIC bei seinem ersten Vorstoß nach Europa die Marke MG nutzen. Der MG6 wird seit 2011 in China produziert und in England montiert und angeboten.

    Aus dem Zusammenschluss von Nanjing Automobile und SAIC stammen auch die Rechte am britischen Van-Herstellers LDV, dessen Aktiva 2009 von Nanjing Automobile übernommen worden, nachdem das Unternehmen Konkurs gegangen war. Daraufhin wurden die kompletten Produktionsanlagen von Birmingham nach Wuxi in China verschifft und dort wieder aufgebaut. Auf der Basis der Technik von LDV erweckte SAIC dann 2011 die Marke Maxus wieder zum Leben und möchte damit nun auch international angreifen.

    Internationale Kooperationen im Bereich F&E

    SAIC konnte sich durch die jahrelangen Kooperationen mit ausländischen Automobilherstellern viel technologisches Know-how aneignen. Auch im F&E-Bereich spielen Kooperationen eine große Rolle. SAIC betreibt zusammen mit GM das Pan Asia Technical Automotive Center in Shanghai. Gemeinsam arbeiten sie auch an der Erforschung von alternativen Antrieben. Außerdem unterhält SAIC ein Engineering Center im englischen Longbridge in der Nähe des GM Werkes und betreibt zusammen mit GM ein Forschungsprojekt zu hybriden Antrieben. Zudem kooperiert SAIC mit verschiedenen Universitäten, etwa der Jiao Tong Universität in Shanghai.

    Im Shanghai Automotive Technology Center, das 2008 fertiggestellt wurde, sind 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. In Großbritannien arbeiten über 200 Ingenieure im SAIC Motor Tech Center in Leamington. Sie sind größtenteils von Rover und arbeiten an den frühen Design- und Entwicklungsphasen. Als SsangYong noch zu SAIC gehörte, wurde auch das F&E-Zentrum der Koreaner für SAIC genutzt.

    In der folgenden Abbildung wird die Entwicklung der Schutzrechteanmeldungen SAICs in den Jahren 1992-2007 dargestellt. Erst seit 1999 nimmt das Unternehmen durchgehend die Möglichkeit wahr, sein geistiges Eigentum (engl. intellectual property [IP]) zu schützen. Seit diesem Jahr stieg die Anzahl der Anmeldungen aber stark an. Im Jahr 2006 meldete SAIC etwa 200 Schutzrechte an, im Jahr 2007 waren es mit 600 Schutzrechteanmeldungen dreimal so viele. SAIC ist dabei, seine Forschungsausgaben verstärkt in schützenswerte Erfindungen zu investieren, wobei der Anteil der Patente (engl. patent) an den gesamten Anmeldungen 2007 bei etwa 50% lag. Patente sind kosten- und forschungsintensiver als Gebrauchsmuster (engl. utility model), da sie eine größere Erfindungstiefe aufweisen müssen, dafür gelten sie mit 20 Jahren auch doppelt so lange wie Gebrauchsmuster. 2006 machten Patente noch etwa zwei Drittel der gesamten Anmeldungen aus, im Jahr davor etwa 80%. Angesichts der Wertigkeit von Schutzrechten ist da ein negativer Trend zu erkennen.

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    Die nächste Abbildung betrachtet die Bereiche in denen SAIC technische Schutzrechte angemeldet hat. Aufgrund der Geschäftsfelder von SAIC ist es keine große Überraschung, dass das Unternehmen die meisten Schutzrechte im Bereich „Transport“ hält. Mit insgesamt fast 500 Schutzrechten belegt dieser Bereich mit großem Abstand den höchsten Rang, wobei Patente etwa einen Anteil von 60% ausmachen. Es folgt der Bereich „Mechanische Bauteile“, allerdings besitzt SAIC da nur etwa 150 Schutzrechte, was nicht einmal einem Drittel des Bereichs „Transport“ entspricht. Das Verhältnis von Patenten zu Gebrauchsmustern ist dabei etwa 50:50. Im Bereich „Motoren, Turbinen und Pumpen“ besitzt SAIC nur geringfügig weniger Schutzrechte, allerdings ist das Verhältnis von Patenten zu Gebrauchsmustern hier ein anderes, da die Patente etwa zwei Drittel ausmachen und damit die Gebrauchsmusterüberwiegen. Weitere Bereiche, in denen SAIC Schutzrechte besitzt, sind „Analyse-, Mess- und Kontrolltechnik“ sowie „Elektrische Geräte, Engineering und Energie“.

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    Die nächste Abbildung illustriert zum einen nochmals das Aufkommen von Schutzrechtsanmeldungen durch SAIC, wobei immer fünf Jahre zusammengefasst wurden, zum anderen die geographische Verteilung dieser Anmeldungen. Die Balken der Jahre 1988-1992, 1993-1997 sowie 1998-2002 sind aufgrund der geringen Anzahl von Anmeldungen in diesen Zeiträumen noch relativ klein. Allerdings ist zu erkennen, dass SAIC bereits im Zeitraum 1988-1992 Schutzrechte außerhalb Chinas angemeldet hatte, etwa in Deutschland. Während in den Jahren 1993-1997 keinerlei Aktivitäten zu erkennen sind, beginnt SAIC seine technischen Schutzrechte ab 1999 dann konsequent auszubauen, was die Balken der Perioden 1998-2002 und 2003-2007 zeigen. Interessant ist dabei nicht nur die Menge der angemeldeten Schutzrechte, sondern auch die regionale Verteilung. Im Zeitraum von 1998-2002 meldete SAIC Schutzrechte zwar vor allem in China an, allerdings wurde gut die Hälfte der Anmeldungen in anderen Ländern oder Regionen vorgenommen. Konzentriert hat sich das Unternehmen dabei auf Europa, viele der Schutzrechte gelten entweder europaweit oder in Deutschland. Außerdem wurden in diesem Zeitraum auch einige weltweit geltende Schutzrechte angemeldet. Der Balken, der die Anmeldungen der Jahre 2003-2007 zeigt, bietet hingegen ein anderes Bild: Zwar ist China noch immer der Markt, in dem SAIC die meisten Schutzrechte angemeldet hatte, allerdings folgt direkt darauf Südkorea, wo etwa 20% aller Anmeldungen des Unternehmens getätigt wurden. Angesichts der Übernahmen der Anteile an den südkoreanischen Autoherstellern Daewoo und SsangYong ist das keine Überraschung. Weitere Schutzrechte meldete SAIC in diesem Zeitraum in Deutschland, den USA, Australien und Japan an. Zusätzlich wurden Schutzrechte für mehrere Länder gleichzeitig angemeldet, sowohl europa- als auch weltweit.

    SAIC_IP3
    References

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