Sany Group: Baumaschinen-Riese mit Produktion in Deutschland

    Vom studentischen Start-up zum weltgrößten Baumaschinenhersteller

    Inzwischen ist die Sany Group einer der weltgrößten Hersteller von Baumaschinen.
    Die Hunan Lianyuan Welding Material Factory wurde 1989 von vier Absolventen der Central South University in Changsha gegründet. Im Jahre 1991 wurde das Unternehmen in Hunan Sany Group umbenannt, vier Jahre später begann das Unternehmen mit der Entwicklung und dem Verkauf der ersten Betonpumpen. Inzwischen ist die Sany Group einer der weltgrößten Hersteller von Baumaschinen mit einem Umsatz von knapp EUR 6 Mrd. und mehr als 54.000 Mitarbeitern. Die vier Gründer des Unternehmens gehören heute zu den reichsten Menschen Chinas. Die Produktpalette umfasst inzwischen weit mehr als nur Betonpumpen und Betonpumpentrucks. Inzwischen stellt Sany auch Raupen- und Truckkräne, Bagger, Betonmischer, Pfahlrammen und Straßenbaumaschinen her. Die Sany Group hat sechs Tochterunternehmen, wobei das größte und mit Abstand wichtigste Sany Heavy Industry ist. Das Unternehmen ist seit 2003 an der Börse in Shanghai notiert und erzielte im Jahre 2010 einen Umsatz von EUR 4 Mrd., was einem Anteil von fast 68% am Gesamtumsatz der Gruppe entspricht. Sany Heavy Industry wurde 1994 zur Entwicklung und zum Verkauf von Betonpumpen gegründet. Inzwischen deckt das Unternehmen fast das gesamte Produktspektrum der Sany Gruppe ab. So produziert es weiterhin Betonmaschinen, aber auch Kräne, Bagger, Pfahlrammen sowie Straßenbaumaschinen. Ein anderes börsennotiertes Tochterunternehmen der Gruppe ist Sany Heavy Equipment. Das Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von etwa EUR 300 Mio. entwickelt, baut und verkauft Maschinen für Kohleminen. Seit 2009 ist Sany Heavy Equipment an der Börse in Hongkong gelistet.
    In einem neuen Werk sollen nun auch Windturbinen gefertigt werden.
    Im Jahr 2009 begann Sany mit dem Bau eines neuen Werkes in der nordostchinesischen Provinz Jilin. Dort sollen Windturbinen entstehen, die die Produktpalette erweitern, die bisher nur Bau- und Minenmaschinen umfasste. Das Unternehmen bietet Windturbinen für On- und Offshore-Anlagen an und möchte in die neue Fabrik, die eine Kapazität von mehr als 600MW hat, bis zu EUR 1,1 Mrd. investieren. In den USA und in Großbritannien wurden die Anlagen bereits vorgestellt. Abgesehen von dem Werk für Windturbinen hat die Sany Group fünf Werke in China, sogenannte Industrial Parks, und zwar in Shenyang, Peking, Kunshan, Shanghai und im Gründungsort Changsha. International hat das Unternehmen vier weitere Produktionsstätten.

    Produktion und Verkauf in Kundennähe

    Die Sany Gruppe konzentriert sich bei ihren Geschäften zwar auf China, doch auch im Ausland ist das Unternehmen zunehmend aktiv. Dabei werden die Produkte nicht mehr nur ins Ausland exportiert, sondern vermehrt auch direkt dort gefertigt. Alle Produktionsstätten gehören dabei zu Sany Heavy Industrie, dem größten Tochterunternehmen der Sany Group. Im Jahr 2006 legte das Unternehmen den Grundstein für diese Ausrichtung, als es etwa EUR 22,5 Mio. ein Werk und ein F&E Zentrum in den USA investierte. Vier Jahre später wurden die Pläne erweitert und weitere EUR 45 Mio. investiert, um das Werk und F&E-Zentrum in Peachtree City, Georgia zu bauen. Es wurde im Februar 2011 eingeweiht und etwa 100 Mitarbeiter produzieren dort Betonpumpen, Bagger und verschiedene Kräne. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis 2012 auf etwa 300 ansteigen. Außerdem sind im F&E-Zentrum weitere 60 Mitarbeiter beschäftigt. 2007 investierte Sany EUR 45 Mio. in Indien in ein Werk und ein F&E-Zentrum in der Nähe von Pune, das 2010 fertiggestellt wurde. Bereits seit 2002 war Sany auf dem indischen Markt aktiv, doch nun werden die Produkte des Unternehmens teilweise auch dort gefertigt. Im Werk in Chanan sind inzwischen 600 Mitarbeiter beschäftigt, die auf über 30.000 Quadratmetern Betonmaschinen, Straßenbaumaschinen, Erdverschiebungsmaschinen und Hebegeräte herstellen.
    Sany machte die bisher größte Investition eines chinesischen Unternehmens in Europa.
    Im nordrhein-westfälischen Bedburg befindet sich die dritte Auslandsfabrik des Unternehmens. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Chinesische Premierminister Wen Jiabao waren anwesend, als 2009 Sany-Präsident Liang Wengen und der damalige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Jürgen Rüttgers, den Vertrag unterschrieben, der die bis dahin größte Investition eines chinesischen Unternehmens in Europa besiegelte. Sany war bereit, etwa EUR 100 Mio. in eine Fabrik und ein F&E-Zentrum zu investieren. Ab 2011 arbeiten 200 Mitarbeiter an diesem Standort, die Anzahl soll auf 600 Mitarbeiter ansteigen, da der Standort die Europazentrale des Unternehmens werden soll. Ab 2015 sollen in Bedburg nahe Köln EUR 1 Mrd. umgesetzt werden, bereits zwei Jahre früher soll der Standort profitabel sein. Die Kapazität des Werkes liegt bei 3000 Baumaschinen jährlich. Die bis dato größte Auslandsinvestition tätigte Sany aber für ein Werk und ein F&E-Zentrum im brasilianischen Sao Paulo. Gut EUR 150 Mio. investierte das Unternehmen um dort mit einer jährlichen Kapazität von 700 Einheiten Baumaschinen vor Ort herstellen zu können. In den nächsten fünf Jahren soll dieses Werk dann schon EUR 375 Mio. umsetzen. Mit der Fertigstellung hat das Unternehmen dann Werke in fünf verschiedenen Regionen der Welt und kann so seine Waren vor Ort anbieten, ohne die meist großen und schweren Baumaschinen über weite Wege transportieren zu müssen. Auch weiterhin ist Sany auf der Suche nach Standorten, um sein weltweites Fabriknetz zu erweitern. Favorisiert werden dabei Schwellenländer und rohstoffreichen Nationen. Ende 2011 wurde bekannt, dass Sany das nächste Werk im Ausland in Polen errichtet und dazu etwa EUR 30 – 38 Mio. investiert. Außerdem erregte die Sany Group Ende Januar 2012 mit einer Übernahme Aufsehen: Für geschätzt EUR 500 Mio. kauft Sany das süddeutsche Unternehmen Putzmeister, der Firmensitz des Unternehmens in der Nähe von Stuttgart soll die Hauptzentrale für Betonausrüstungen außerhalb Chinas werden.
    Der Umsatzanteil des Auslands am Gesamtumsatz beträgt bisher etwa 12,7% (EUR 750 Mio.).
    Heute hat die Sany Group 24 Niederlassungen im Ausland, allerdings lässt sich aus den Gründungsjahren keine klare Strategie ableiten. Jedoch wurden alle Auslandniederlassungen in den letzten fünf bis sechs Jahren gegründet, um die Aktivitäten des Unternehmens im jeweiligen Land oder der jeweiligen Region (manche Niederlassungen sind für mehrere Länder zuständig) zu bündeln. Der Umsatzanteil des Auslands am Gesamtumsatz beträgt bisher etwa 12,7% (EUR 750 Mio.).

    Die Sany Group wächst vor allem organisch

    Die Sany Group ist bisher rein organisch gewachsen. Lediglich innerhalb der Gruppe kam es zu Akquisitionen, als 2010 das Tochterunternehmen Sany Heavy Industries eine anderes Tochterunternehmen, Sany Automobile Manufacturing, für EUR 225 Mio. übernahm. Im Januar 2012 wurde allerdings bekannt, dass Sany den Betonpumpenhersteller Putzmeister für EUR 500 Mio. übernehmen wird. Das schwäbische Unternehmen gilt als Technologieführer in der Branche, seine Betonpumpen waren etwa beim Bau des Burj Khalifa in Dubai und bei den Arbeiten nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima im Einsatz. Allerdings erholte sich das Unternehmen von der Immobilienkrise 2007 nicht mehr richtig, der Jahresumsatz betrug letzlich mit EUR 500 Mio. nur noch etwa die Hälfte des Umsatzes von 2007. Die Sany Group möchte nach der Übernahme den Sitz von Putzmeister in Aichtal bei Stuttgart zum Hauptsitz für Betonausrüstungen außerhalb Chinas aufbauen.
    Kooperationen bestehen mit verschiedenen Händlern in den Exportländern, um dort die Baumaschinen zu verkaufen.
    Kooperationen bestehen zudem mit verschiedenen Händlern in den Exportländern, um dort die Baumaschinen zu verkaufen. In Italien ist Sany im Jahre 2012 beispielsweise eine strategische Allianz mit Officine Meccaniche Galileo zum Vertrieb von Hafenmaschinen eingegangen. In den USA hat Sany eine Kooperation mit dem Baumaschinenhändler Binder unterzeichnet, der nun zukünftig auch Sany Baumaschinen vertreiben wird. Im Jahr 2011 wurde außerdem eine Vereinbarung mit der walisischen Tramor Ltd. zum Vertrieb der Baumaschinen von Sany unterzeichnet.

    Quality changes the world

    Sany hält F&E für außerordentlich wichtig um seinem Leitspruch „Quality changes the world“ auch gerecht zu werden. Laut eigenen Angaben werden jährlich 5-7% des Umsatzes in F&E investiert. Das Forschungszentrum der Gruppe in China soll zu den führenden des Landes zählen. Es koordinier die über 30 F&E-Zentren des Unternehmens. Außer dem Institut in China unterhält Sany auch F&E-Zentren an seinen Auslandsstandorten in Indien, Deutschland, Brasilien und den USA. Über 1.500 Patente wurden der Firma nach eigenen Angaben weltweit gewährt. Im folgenden Schaubild ist zu sehen, wie viele Schutzrechte Sany in den Jahren 1995-2007 anmeldete. Erst seit 1998 meldet das Unternehmen durchgehend eine erwähnenswerte Anzahl an Schutzrechten an, in den Jahren zuvor waren die Aktivitäten eher sporadisch. Aber seit diesem Jahr steigt die Anzahl der jährlichen Anmeldungen, mit Ausnahme des Jahres 2001, konstant an. 2007, im letzten Jahr des betrachteten Zeitraumes, belief sich die Anzahl der durch die Sany Group angemeldeten Schutzrechte auf mehr als 100. Der Anteil der Patente an der Anzahl der Anmeldungen betrug seit 2005 kontinuierlich etwa 50%, in den Jahren davor überwog stets der Anteil der Gebrauchsmuster (engl. utility model). Patente sind kosten- und forschungsintensiver als Gebrauchsmuster, da sie eine höhere Erfindungstiefe erfordern, bieten dafür aber mit 20 Jahren auch doppelt so lange Schutz. Sany_IP1 Betrachtet man die Technologiebereiche (nächste Abbildung), in denen die Sany Group Schutzrechte anmeldete, überrascht es nicht, dass dabei der Bereich „Civil Engineering, Bau und Mienenbau“ dominiert. Mehr als 120 Schutzrechte hat das Unternehmen in diesem Bereich angemeldet, wobei davon allerdings Gebrauchsmuster zwei Drittel der Anmeldungen ausmachen. Auf Platz zwei und mit etwa 60 Anmeldungen weit hinter dem ersten Platz, liegt in dieser Statistik der Bereich „Mechanische Bauteile“, in dem Patente immerhin gut 40% der gesamten Anmeldungen ausmachen. Auf den weiteren Plätzen folgen dann die Bereiche „Handling und Druck“ sowie „Motoren, Pumpen und Turbinen“ und „Analyse-, Mess- und Kontrollinstrumente“. Sany_IP2 Die nächste Abbildung zeigt die regionale Verteilung der von der Sany Group angemeldeten Schutzrechte der Jahre 1988-2007, wobei jeweils fünf Jahre zu einem Balken zusammengefasst wurden. Wiederum ist deutlich zu sehen, wie stark sich die Anmeldungen in den letzten fünf Jahren des betrachteten Zeitraumes vermehrt haben. Ebenfalls signifikant ist das Wachstum der Schutzrechte, die außerhalb Chinas gelten. Während die Sany Group bis 2002 noch gar keine international geltenden Schutzrechte besaß, stellen diese bei den Anmeldungen der Jahre 2003-2007 mehr als 10% dar. Die meisten davon wiederum galten entweder weltweit oder in Europa, ein kleinerer Teil in Deutschland oder den USA. Sany_IP3 Neben Gebrauchsmustern und Patenten können Unternehmen auch sogenannte Trademarks anmelden, die ihre Markennamen und -zeichen schützen. Die nächste Abbildung zeigt, in welchen Ländern und Regionen der Welt die Sany Group solche Trademarks anmeldete. Eindeutig am meisten Trademarks meldete das Unternehmen in China an. Dort hält die Sany Group weit über 80 Trademarks. In anderen Ländern Asiens ergibt sich allerdings kein klares Bild: Während das Unternehmen in Indien und Japan um die zehn Trademarks angemeldet hat, besitzt die Sany Group in Südkorea nur eine, in Singapur gar keine Trademark. Ein klareres Bild ergibt die Situation in Europa, wo das Unternehmen neben europaweit geltenden Trademarks auch einige länderspezifische angemeldet hat, etwa in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Flächendeckend und mit einer großen Anzahl an Trademarks ist die Sany Group auf dem amerikanischen Kontinent vertreten, sowohl auf dem nördlichen als auch auf dem südlichen Teil. Dabei sticht vor allem Brasilien heraus, wo das Unternehmen fast 40 Trademarks anmeldete, doch auch in Mexico, Kolumbien und den USA ist Sany breit aufgestellt. Auffällig ist auch, dass gerade in den Ländern, in denen das Unternehmen Fabriken besitzt, die Zahl der Trademarkanmeldungen verhältnismäßig hoch ist; Das lässt auf die Wichtigkeit der entsprechenden Märkte schließen. Sany_IP4
    References

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