Sinomach: Ein verzweigtes internationales Industriekonglomerat

    Ein Mischkonzernkrake mit über 50 Armen

    Sinomach ist die Abkürzung für die China National Machinery Industry Corporation mit Sitz in Peking. Das Industrieunternehmen ist in Staatsbesitz und wird direkt von der staatlichen Behörde gesteuert, die die chinesischen Staatsbetriebe lenkt und überwacht. Gegründet wurde Sinomach 1997, in einer Zeit, in der viele Staatsbetriebe in strategisch wichtigen Industrien gebündelt wurden.

    Das Unternehmen ist mit seinen EUR 18,2 Mrd. Umsatz im Jahre 2010 der größte Maschinenhersteller des Landes. Insgesamt hat Sinomach knapp 100.000 Mitarbeiter weltweit.

    Die zugehörigen Unternehmen decken eine Vielzahl verschiedenster Unternehmensfelder ab.

    Der Aufbau des Unternehmens ist außerordentlich komplex. Sinomach hat über 50 Tochterunternehmen, an denen das Unternehmen entweder beteiligt ist oder die es komplett besitzt. Sieben dieser Tochterunternehmen sind börsennotiert. Die vielen zugehörigen Unternehmen decken eine riesige Anzahl verschiedenster Unternehmensfelder ab. Zwar reduziert Sinomach seine Tätigkeitsfelder auf drei, nämlich auf F&E und Produktion von Maschinen und Maschinenzubehör, die Auftragsfertigung sowie Handel und Services, allerdings sind die die Tätigkeiten der dazugehörigen Tochterunternehmen breit gefächert. Sinomach stellt Landwirtschaftsmaschinen (bei Traktoren ist Sinomach Marktführer in China), Baumaschinen, Umweltschutzzubehör (etwa zur Wasseraufbereitung oder Luftfilterung), Schwerlastmaschinen und Werkzeugmaschinen (wie Laser oder NC-Fräsmaschinen) her. Die Projekte, die Sinomach betreut, sind genauso vielfältig, wie seine Produkte. So baut das Unternehmen (bzw. seine Tochtergesellschaften) Schiffe, Minen, Kraftwerke, Telekommunikationseinrichtungen und Zementwerke. Zusätzlich handelt Sinomach mit Elektronikprodukten und Maschinen, importiert und exportiert Fahrzeuge und veranstaltet Messen und Ausstellungen.

    2011 tauchte das Unternehmen erstmals auf der Fortune Global 500 Companies-Liste auf.

    Die Wachstumsraten von Sinomach lagen in den letzten Jahren immer über 30%, im Jahre 2011 tauchte das Unternehmen erstmals auf der Fortune Global 500 Companies-Liste auf (Platz 435). Aufgrund seiner Größe, seiner Tätigkeiten in verschiedenen, strategisch wichtigen Bereichen, sowie der Verknüpfung dieser Bereiche, ist Sinomach ein wichtiges Unternehmen in der Globalisierungsstrategie der Volksrepublik.

    International äußerst umtriebig

    Sinomach war schon in 140 Ländern und Regionen tätig.

    Laut eigenen Angaben war Sinomach schon in 140 Ländern und Regionen tätig. In der philippinischen Hauptstadt Manila baut Sinomach eine Eisenbahnlinie, die die zentral gelegene Stadt mit dem nördlichen Teil der Insel Luzon verbinden soll. Der Wert des Auftrages liegt bei EUR 0,9 Mrd. Inzwischen aber hat sich das Bauende von 2007 auf 2013 verzögert, die Kosten haben sich auf EUR 1,4 Mrd. erhöht.

    Anfang 2011 übernahm Sinomach das französische Werk des britischen Herstellers für Agrarmaschinenteile McCormick für EUR 8 Mio. Von der Übernahme erhofft sich Sinomach zum einen, von der Technologie der Briten profitieren zu können, zum anderen sollen so die Handelsbarrieren für den europäischen Markt umgangen werden. Sinomach möchte so auf dem europäischen Traktorenmarkt Fuß fassen.

    Ein weiteres indirektes Tochterunternehmen von Sinomach, das in Europa und den USA tätig ist, ist Phono Solar. Das Unternehmen produziert Photovoltaikmodule mit einer jährlichen Kapazität von 450 MW und macht einen Umsatz von EUR 1,5 Mrd. In der Tschechischen Republik und der Slowakei ist das Unternehmen Marktführer. Phono Solar gehört zu 100% der SUMEC-Gruppe, die ihrerseits einen jährlichen Umsatz von EUR 3,1 Mrd. macht und ein direktes Tochterunternehmen von Sinomach ist.

    Außerdem plant Sinomach angeblich den Aufbau eines Designinstituts und die Übernahme staatlicher Unternehmen in Weißrussland, sowie die Investition von etwa EUR 225,6 Mio. in einen Industriepark im ukrainischen Odessa.

    Auch andere Tochterunternehmen von Sinomach sind im Ausland aktiv. Zum Beispiel die China Sinogy Electric Engineering Corporation Limited (CSEEC), welche verschiedene Services und Produkte zur Energietechnik anbietet. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden bei der Planung von Projekten und berät sie dabei. CSEEC hat u.a. Kunden in Vietnam, Pakistan, Indonesien, Malaysia, der Türkei, Jordanien, Venezuela, Botswana, dem Iran und Indien. Auch das Tochterunternehmen China CAMC Engineering Co., Ltd. (CAMCE) ist international tätig. CAMCE hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2011 Verträge im Wert von EUR 1,6 Mrd. abgeschlossen. Bei der Revitalisierung von Nil-Gebieten im Sudan war CAMCE mit einem Auftragswert von EUR 109 Mio. beteiligt. In Laos, Nigeria, erweiterte das Unternehmen für rund EUR 89 Mio. den Flughafen. Außerdem war das Unternehmen in Sambia, Angola, Laos und dem Tschad aktiv.

    Laut Ren Hongbin, dem CEO von Sinomach, ist außerdem Indonesien ein strategisch wichtiger Markt für das chinesische Unternehmen. Auf der indonesischen Insel Java hat Sinomach in vier Jahren Bauzeit ein Kohlekraftwerk errichtet, das die Stromversorgung zuverlässiger machen soll. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von 1.000 MW und ist das erste Projekt seiner Art unter chinesischer Bauherrschaft. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern soll in Zukunft weiter ausgebaut werden, wovon auch Sinomach profitieren möchte. Bei der Internationalisierung sind Entwicklungs- und Schwellenländer momentan wichtiger für Sinomach als Europa oder die USA. Zusätzlich ist Indonesien, genauso wie China, Teil der ASEAN-Freihandelszone, was die wirtschaftliche Zusammenarbeit maßgeblich erleichtert.

    Aufmerksamkeit erregte Sinomach mit dem Plan, auf amerikanischem Boden eine spezielle Wirtschaftszone zu errichten.

    Die größte Aufmerksamkeit erregte Sinomach allerdings mit dem Plan, auf amerikanischem Boden eine spezielle Wirtschaftszone zu errichten. Diese sollte wirtschaftlich autark und ähnlich denen sein, die Deng Xiaoping Ende der 1970er Jahre in China hatte einrichten lassen. Rund um den Flughafen von Boise im Bundesstaat Idaho sollte ein Industriepark mit eine Fläche von über 120 Quadratkilometer entstehen. Die amerikanische Bevölkerung befürchtete schon eine Invasion ohne Panzer. Über die Planungsphase hinaus ist dieses Projekt aber (noch) nicht gekommen.

    Es finden sich viele Beispiele für die Aktivitäten von Sinomach im Ausland. Die Mehrheit der Aktivitäten bezieht sich dabei aber auf weniger entwickelte Länder in Afrika, Lateinamerika, Südostasien oder Osteuropa. Sinomach verfolgt also eine „Bottom-Up“-Strategie. Zuerst werden in Entwicklungs- und Schwellenländern Erfahrungen gesammelt, dann erst sollen die weiter entwickelten Märkte in Angriff genommen werden.

    Die erste Übernahme eines ausländischen Agrarmaschinenherstellers durch ein chinesisches Unternehmen

    Um das Unternehmen zu vergrößern setzt Sinomach auf organisches Wachstum. Die unzähligen Tochterunternehmen wurden im Zugeder Unternehmensgründung durch die chinesische Regierung gebündelt.

    Die YTO-Group ist Marktführer für High-End-Traktoren in China und produziert jährlich über 160.000 Traktoren.

    Die einzige Übernahme bisher war die des französischen Werkes des Agrarmaschinenherstellers McCormick im Jahre 2011. Sinomachs Tochterunternehmen, die YTO Group, bezahlte dafür EUR 8 Mio. McCormick France stellt Getriebe für Agrarmaschinen her, der Hauptsitz des Unternehmens ist im Norden Frankreichs, in Saint-Dizier in der Champagne. Die YTO-Group ist Marktführer für High-End-Traktoren in China und produziert jährlich über 160.000 Traktoren. Von der Übernahme und Integration des französischen Herstellers verspricht sich YTO neue Kompetenzen in der Getriebetechnologie und eine Umgehung der Markrestriktionen in Europa und somit Zugang zum europäischen Markt. Das Getriebewerk soll außerdem erweitert werden, sodass dort auch die Montage kompletter Traktoren für den europäischen Markt möglich ist. Zusätzlich soll dort ein F&E-Zentrum entstehen. Die Übernahme des Werkes war außerdem die erste Übernahme eines Agrarmaschinenunternehmens durch ein chinesisches Konkurrenzunternehmen.

    Investitionen in die Zukunft

    Sinomach betreibt eigenen Angaben zufolge über 25 F&E-Zentren in China und hält mehr als 1.500 Patente. Im Juli 2011 unterzeichnete Sinomach ein Memorandum zur Förderung von F&E im Bereich neuer Energien in Nanjing. Das Unternehmen möchte dazu in den nächsten fünf Jahren fast EUR 1,2 Mrd. investieren.

    Zudem plant das Unternehmen die Errichtung eines weiteren F&E-Zentrums an seinem Standort in Frankreich. Gespräche über ein Design-Zentrum in Weißrussland fanden Mitte Oktober 2011 statt.

    In der folgenden Abbildund ist die regionale Verteilung der von Sinomach angemeldeten Trademarks dargestellt. Trademarks sind Schutzrechte, die, im Gegensatz zu Patenten und Gebrauchsmustern, den Markennamen und das Markenzeichen von Unternehmen schützen. Dabei ist deutlich zu sehen, dass das Unternehmen seine Trademarkanmeldungen auf China konzentriert. Dort hält das Unternehmen über 30 solcher Schutzrechte. International hingegen sind kaum Trademarks von Sinomach eingetragen, lediglich in Indien und auf dem amerikanischen Kontinent meldete das Unternehmen Trademarks an, dazu kommen noch zwei weltweit geltende Anmeldungen.

    Die Konzentration auf Indien, Brasilien und Argentinien, sowie das Fehlen von Trademarks in Europa kann als Indiz der „Bottom-Up“-Internationalisierungsstrategie von Sinomach angesehen werden.

    Sinomach_IP4
    References

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