Weichai Power: Volle Kraft voraus

    Dieselmotoren für schwere Jungs

    Weichai Power gibt es in seiner heutigen Form seit dem Jahr 2002. Damals brachte die Weichai Diesel Engine Factory die Fertigung und den Vertrieb der von ihr produzierten Dieselmotoren WD615 und WD618 mit dem Kapital ausländischer und chinesischer Investoren in einem Unternehmen zusammen. Die Weichai Diesel Engine Factory wurde bereits 1953 gegründet und war eine der ersten Dieselmotorenfabriken in China und über Jahrzehnte eine der bevorzugten Fertigungsstätten für Dieselmotoren der chinesischen Regierung. 1992 wurde das Unternehmen mit frischem Kapital aus dem In- und Ausland ausgestattet und in Weichai Power umbenannt. Noch immer halten staatliche Unternehmen wie die Muttergesellschaft Weichai Group Holdings Limited etwa 20% der Anteile an Weichai Power. Ausländische Unternehmen halten gut 6% der Firmenanteile. Der Rest ist in Streubesitz. Seit 2004 ist das Unternehmen an der Börse in Hongkong notiert, seit 2006 zusätzlich an der Börse in Shanghai.

    Inzwischen bietet Weichai Power Motoren für verschiedene Maschinen an. So kann man neben Dieselmotoren für LKW auch solche für Busse, Schiffe, Baumaschinen, Generatoren und landwirtschaftliche Geräte kaufen. Zudem produziert und verkauft Weichai auch Komponenten und Teile für LKW. Über seine Tochterunternehmen ergänzt Weichai sein Angebot zusätzlich: Shaanxi Heavy-duty Motor Company Limited produziert und verkauft schwere LKW und ist die Nummer vier auf diesem Markt. Shaanxi Fast Gear Co. Ltd. stellt Getriebe für schwere LKW her und vertreibt sie. Das Unternehmen ist damit Marktführer in China.

    Weichai Power verkaufte 2010 insgesamt 414.000 Dieselmotoren, was im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von über 83% bedeutet.

    Im Jahre 2010 trugen die Dieselmotoren EUR 3,1 Mrd. (ca. 42%), Lastkraftwagen und Einzelteile EUR 4,1 (ca. 55%) zum Gesamtumsatz von Weichai Power bei. Das Unternehmen verkaufte 2010 insgesamt 414.000 Dieselmotoren, was im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von über 83% bedeutet.

    Insgesamt hatte Weichai Power 2010 knapp 38.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von rund EUR 7,4 Mrd., über 80% mehr als im Vorjahr. Der große Zuwachs lässt sich dadurch erklären, dass Weichai mit seinen Produkten massiv von den Konjunkturpaketen der Regierung, etwa bei Baumaschinen und schweren LKW, sowie vom generellen Aufschwung Chinas profitiert. Denn dieser Aufschwung lässt sowohl das Waren- als auch das Personentransportaufkommen steigen, mehr Busse und LKW werden gebraucht, welche wiederum von Weichai Power Dieselmotoren angetrieben werden.

    International noch im ersten Gang

    Die Internationalisierung von Weichai Power ist noch nicht besonders fortgeschritten, obwohl in vielen Fahrzeugen und Maschinen, die von China aus exportiert werden, Weichai-Motoren verbaut sind; zudem werden die Motoren an sich exportiert. Ein nennenswertes Auslandsnetz wurde aber noch nicht aufgebaut. Insgesamt hat Weichai Power drei Niederlassungen im Ausland.

    Die erste Auslandsniederlassung wurde 2009 in Frankreich eröffnet und stammt aus der Akquisition des französischen Schiffsmotorenherstellers Moteurs Baudouin. Das Unternehmen soll mit seinen Schiffsmotoren die Speerspitze von Weichai Power in Europa sein. Im gleichen Jahr gab es Gerüchte, Weichai wolle das General Motors (GM) Werk in Strassburg übernehmen. GM war damals in einer existenziellen Krise und suchte nach Mitteln und Wegen, das Unternehmen zu retten. Weichai aber dementierte das Interesse am GM Werk und gab stattdessen den Kauf von Moteurs Baudouin bekannt.

    Zusammen mit Moteurs Baudouin gründete Weichai 2010 in Singapur die Filiale Weichai-Baudouin (Singapore), die erste und bisher einzige Niederlassung in dieser Region. Die Expansion in die ASEAN-Freihandelszone war ein erster Schritt in Richtung der Globalisierung des Service- und Vertriebsnetzes um die Kunden vor Ort unterstützen.

    Im selben Jahr hat Weichai außerdem eine Niederlassung in den USA gegründet. Diese läuft unter dem Namen Weichai Power Mat Automotive, hat etwa 48 Mitarbeiter und liegt in der Nähe von Chicago.

    Das Ziel von Weichai Power ist es, bis 2016 ein internationales Unternehmen zu werden und eine globale Marke zu schaffen.

    Auch MAN hat ein Auge auf Weichai geworfen

    Gemeinsam mit MAN sollten LKW sowie Schiffs- und LKW-Motoren gefertigt werden.

    Eine langjährige Geschäftsbeziehung verbindet das Unternehmen mit dem deutschen Nutzfahrzeuge-Hersteller MAN. Schon seit Ende der 1980er Jahre kooperieren die beiden Konzerne im Bereich der Lizenzierung für Fahrzeug- und Motorentechnologien. So baut Weichai lizenzierte Fahrerhäuser und Motoren von MAN für den chinesischen Markt. Seit Jahr 2007 fanden zudem Gespräche über eine Ausweitung der Kooperation statt: MAN plante, sein Geschäft durch eine Produktion in China auszubauen und Weichai sollte dabei der in China notwendige Kooperationspartner sein. Gemeinsam sollten komplette LKW, sowie Schiffs- und LKW-Motoren gefertigt werden. Als Ergebnis der Gespräche fertigt das Weichai-Tochterunternehmen Shandong seit Juli 2008 MAN-Motoren in Lizenz. Auch 2010 wurde das Interesse an einem Ausbau der Kooperation im Rahmen eines Treffens bekräftigt. Eine gemeinsame Produktion gibt es aber bislang nicht.

    Seit dem Jahr 2008 betreibt Weichai gemeinsam mit Westport Innovations Inc. und Hong Kong Petersen (CNG) Equipment Limited ein Joint Venture zur Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von gasbetriebenen Motoren. Diese können in PKW, LKW, Schiffen oder als Generatoren eingesetzt werden. Alle Motoren des Gemeinschaftsunternehmen Weichai Westport Inc. erfüllen dabei die chinesischen Abgasnormen.

    CHF 650 Mio. für Saia-Burgess.

    Durch die Übernahme des französischen Schiffsmotorenbauers Moteurs Baudouin im Jahr 2009 hat Weichai auch eine Niederlassung in Europa. Für knapp EUR 3 Mio. übernahm Weichai 100% der Anteile am von der Finanzkrise gebeutelten Unternehmen vom Investor Axa. Moteurs Baudouin hat seinen Hauptsitz in der Nähe Marseilles, beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter und unterhält eine F&E-Abteilung, die nun auch für Weichai Forschung betreibt.

    Bisher nur Schutzrechtanmeldungen in China

    Weichai hat verschiedene Kooperationen mit Universitäten in China, wie etwa der Tsinghua Universität in Peking, der Tongji Universität in Shanghai und der Shandong Universität in der gleichnamigen Heimatprovinz von Weichai. Außerdem investiert das Unternehmen mehr als ein Prozent seines Umsatzes in F&E.

    Die folgende Abbildung zeigt wie sich die Anzahl der Schutzrechteanmeldungen von Weichai Power in den Jahren 1995-2007 entwickelt haben. Wie zu sehen ist, meldet das Unternehmen erst seit 2003 konstant Schutzrechte an, in den Jahren zuvor fanden diese Anmeldungen nur sporadisch statt. Eine deutliche Steigerung erfuhren die Anmeldungen erst seit 2005, wo sie im Vergleich zum Vorjahr geradezu in die Höhe schnellten. Seit diesem Jahr blieb die Anzahl der Anmeldungen konstant hoch. Bemerkenswert ist zudem das Verhältnis von Patenten und Gebrauchsmuster. Ganz klar überwiegt bei Weichai die Anzahl der Gebrauchsmuster, ihr Anteil lag 2007 bei etwa 80% der gesamten Anmeldungen, in den Jahren davor sogar noch höher. In den Jahren 2003 und 2004 meldete Weichai Power ausschließlich Gebrauchsmuster an. Gebrauchsmuster erfordern eine geringere Erfindungstiefe als Patente, sind daher weniger forschungs- und kostenintensiv. Dafür bieten Patente mit 20 Jahren einen doppelt so langen Schutzzeitraum wie Gebrauchsmuster.

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    In der nächsten Abbildung ist dargestellt, in welchen Technologiebereichen Weichai Power bis 2007 seine Erfindungen am Häufigsten anmeldete. Klar auf dem ersten Platz dieser Statistik liegt dabei der Bereich „Motoren, Pumpen, Turbinen“, was angesichts des Geschäftsfeldes von Weichai Power nicht weiter überrascht. Allerdings sind von den Schutzrechten, die das Unternehmen in diesem Bereich anmeldete, lediglich etwa 10% Patente und 90% Gebrauchsmuster. Auch der Technologiebereich, in dem Weichai am zweitmeisten Erfindungen anmeldete, ist nicht überraschend: Knapp 60 Schutzrechte hält das Unternehmen im Bereich „Mechanische Bauteile“. Das Verhältnis zwischen Patenten und Gebrauchsmustern ist dabei ähnlich dem im Bereich „Motoren, Pumpen, Turbinen“. Außerdem meldete Weichai häufiger Schutzrechte in den Bereichen „Analyse-, Mess- und Kontrolltechnik“ und „Elektrische Geräte, Engineering und Energie“ an, wobei auch in den Bereichen weit mehr oder sogar ausschließlich Gebrauchsmuster angemeldet wurden.

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    Die nächste Abbildung zeigt die regionale Verteilung der von Weichai Power angemeldeten Erfindungen zwischen 1988 und 2007. Auch hier zeigt sich klar der rasante Anstieg der Anzahl der angemeldeten Patente und Gebrauchsmuster ab dem Jahr 2003. Die Balken, die die Jahre davor repräsentieren sind im Vergleich dazu äußerst kurz. Außerdem zeigt sich, dass Weichai bis 2007 ausschließlich Erfindungen in seinem Heimatmarkt China anmeldete. Ein internationaler Schutz des geistigen Eigentums war bis dahin nicht vorhanden.

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    In der nächsten Abbildung wird die regionale Verteilung der Trademarks dargestellt, die Weichai Power anmeldete. Durch Trademarks können Unternehmen ihren Markennamen und das Logo schützen lassen. Auch diese Statistik zeigt, wie wenig die Internationalisierung des Unternehmens bis 2007 diesbezüglich vorangeschritten war. Während Weichai Power in China mehr als 80 Trademarks besitzt, meldete das Unternehmen sonst auf keinem Kontinent flächendeckend Trademarks an. Vereinzelt besitzt das Unternehmen solche Schutzrechte, beispielsweise in der Türkei, den USA oder Indien, allerdings besaß das Unternehmen bis 2007 weder eine europaweit geltende Trademark noch eine weltweit geltende. Auch in diesem Bereich hat Weichai Power also noch Nachholbedarf, wenn es sich als internationale Marke etablieren möchte.

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    References

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