ZTE: Telekommunikationsunternehmen mit internationalem Netzwerk

    Chinas größter börsennotierter Telekommunikationsausrüster

    2011 ist ZTE zum viertgrößten Handyanbieter der Welt aufgestiegen.

    Die ZTE Corporation wurde als Zhongxing Semiconductor Co. Ltd. im Jahre 1985 im südchinesischen Shenzhen gegründet. Inzwischen hat das Telekommunikationsunternehmen mehr als 85.000 Mitarbeiter weltweit, von denen fast zwei Drittel mindestens einen Bachelor-Abschluss haben. Im Jahre 2010 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von EUR 8,3 Mrd., der Auftragsbestand beläuft sich auf fast EUR 11,8 Mrd. Das macht ZTE zum fünfgrößten Telekommunikationsausrüster der Welt. Nach den Verkaufszahlen des 3.Quartals 2011 ist ZTE sogar zum viertgrößten Handyanbieter weltweit aufgestiegen. Das Unternehmen beliefert mit seinen integrierten Lösungen und Services Kunden in 140 Ländern und erwirtschaftet über 50% seines Umsatzes im Ausland.

    60% des Umsatzes stammen aus dem Netzwerkgeschäft.

    Spaltet man den Umsatz ZTEs nach Produkten auf, dominiert klar das Geschäft mit Netzwerken, welches knapp 60% des Umsatzes ausmacht. Erst danach kommen Endgeräte (25,5%) und andere Produkte wie Software und Services. Insgesamt bietet ZTE eine ganze Bandbreite von Produkten an, die das gesamte Feld der Telekommunikation abdecken: Festnetz, Mobilfunknetz, Breitband und Endgeräte sowie Geräte für Video- und Telefonkonferenzen, Netzwerk- und Integrationslösungen. Eine der Stärken des Unternehmens ist es, komplette Lösungen anbieten zu können und diese auch flexibel auf neue Anforderungen anzupassen.

    20% der ZTE-Firmenanteile halten ausländische Investoren.

    Seit dem IPO (Initial Public Offering) im Jahre 1997 ist ZTE an der Börse in Shenzhen gelistet, seit 2004 zudem an der Börse in Hongkong und ist der größte börsennotierte Telekommunikationsausrüster Chinas (ZTEs großer Konkurrent Huawei hat sich bisher gegen einen Börsengang entschieden). Größter Anteilseigner ZTEs ist mit 32,5% Zhongxingxin, hinter dem drei Unternehmen in Staatsbesitz stehen. 20% halten Investoren aus dem Ausland, darunter auch die amerikanische Bank JPMorgan Chase & Co.

    „Bottom-Up“-Strategie bei der Internationalisierung

    2010: Steigerung des Umsatzes in Europa und den USA um 50% im Vergleich zum Vorjahr.

    ZTE exportiert seine Produkte seit 1996 ins Ausland. Den ersten wirklich großen Auftrag erhielt das Unternehmen 1998 aus Pakistan. Im gleichen Jahr eröffnete ZTE ein F&E-Zentrum in den USA. Ein Jahr später wurde das erste Büro im Ausland in Islamabad eröffnet. Die weiteren Schritte und Projekte im Ausland (Indien, Algerien, Kenia) lassen auf die Bottom-Up-Strategie ZTEs bei der Internationalisierung schließen: Zuerst wird in weniger entwickelte Länder expandiert, bis genug Know-how und Kompetenz generiert wurde, um auch in entwickelten Ländern High-Tech-Produkte in guter Qualität anbieten zu können. Auch wenn die USA und Europa als wichtige Märkte angesehen werden, kommen nur 21% des Umsatzes aus Europa, Amerika und Ozeanien, während alleine Afrika für 15% des Umsatzes verantwortlich ist. Allerdings hat sich der Umsatz, der in Europa und den USA erzielt wurde in 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 50% gesteigert. Insgesamt arbeiten 10.000 Mitarbeiter außerhalb Chinas für ZTE.

    Trotz des (noch) vergleichsweise geringen Umsatzanteils bleibt Europa ein interessanter Markt für ZTE. Einerseits bekommt das Unternehmen hier Zugang zur Hochtechnologie, z.B. über Kooperationen wie die mit Vodafone, Telefonica oder der Deutschen Telekom. In Europa werden außerdem viele Standards für die Technologiebranche beschlossen und ZTE sitzt in verschiedenen Gremien und Ausschüssen, die diese Standards beschließen, so kann es zukünftige Standards beeinflussen und frühzeitig Trends identifizieren.

    Seit 2001 ist das Unternehmen in Europa vertreten, seit 2005 mit dem Tochterunternehmen ZTE Deutschland GmbH in Deutschland. Die ZTE Deutschland GmbH hat fünf Standorte in Deutschland, 3 davon in direkter Nähe zum Kunden: In Düsseldorf (Vodafone und E-Plus), München (o2) und Bonn (Deutsche Telekom). Außerdem betreibt ZTE ein Testlabor in Düsseldorf, die dritte Forschungseinrichtung in Europa neben Poitiers in Frankreich und Kista in Schweden.

    In den USA ist ZTE schon seit 1995 vertreten.

    In den USA ist ZTE schon seit 1995 vertreten. Mit dem US-Hauptsitz in Dallas, Büros u.a. in Atlanta und New Jersey sowie 5 F&E-Zentren hat ZTE hier in den letzten Jahren ein breite Präsenz aufgebaut. Das Interesse am US-Markt liegt darin begründet, dass auch hier Hochtechnologien entwickelt werden und der Mark mit einem großen Volumen und hohen Pro-Kopf-Ausgaben lockt. Bis 2016 soll sich der US-Markt zu ZTEs größtem Markt entwickeln. Immerhin verdoppelte sich der US-Umsatz im letzten Jahr. Außerdem wurden dort 180 neue Mitarbeiter eingestellt, insgesamt arbeiten bei ZTE USA 400 Menschen.

    Weltweit nutzen inzwischen 51 der 100 größten Telekommunikationsanbieter Produkte von ZTE, und zwar auf allen Kontinenten.

    2012: Markteinführung von ZTE Smartphones und Tablet PCs auf dem deutschen und österreichischen Markt.

    Für das Jahr 2012 plant ZTE die Markteinführung von ZTE Smartphones und Tablet PCs auf dem deutschen und österreichischen Markt. Im kommenden Jahr sollen ZTE-Produkte beim österreichischen Lebensmitteldiscounter Hofer angeboten werden.

    In den vergangenen Jahren hat ZTE versucht seinen Bekanntheitsgrad in Europa zu steigern (u.a. durch Sponsoring) und dadurch eine Marke aufzubauen. Dadurch erhofft sich das Unternehmen eine weitere Steigerung des Umsatzanteils aus Europa.

    Unternehmensgeschichte geprägt von strategischen Kooperationen

    Gerade im wichtigen US-Markt hat ZTE immer wieder mit Problemen zu kämpfen.

    Bei der Wachstumsstrategie setzt ZTE vermehrt auf organisches Wachstum und die Erschließung neuer Technologien und Geschäftsfelder über Kooperationen mit anderen Unternehmen. Die Unternehmensgeschichte ist daher eher von der Zusammenarbeit geprägt als von Übernahmen. So ging ZTE bereits 2002 eine erste Kooperation mit Intel zur Entwicklung von 3G Technologien, drei Jahre später folgten Zusammenschlüsse mit Ericsson, Alcatel, France Telecom und Portugal Telecom. Im Jahr 2007 ging ZTE strategische Partnerschaften unter anderem mit Vodafone, Telefonica und dem chinesischen Mischkonzern Hutchison Whampoa ein. Für Telefonica entwickelte ZTE sogar eigene Handys. Ebenfalls 2007 unterzeichnete das Unternehmen einen Einkaufsvertrag mit Sprint Nextel, dem drittgrößten US-amerikanischen Mobilfunkbetreiber. Doch gerade in dem als so wichtig angesehenen US-Markt, hat ZTE als chinesische Firma immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Die US-Behörden äußern häufig Bedenken um die nationale Sicherheit, wenn chinesische Firmen wie ZTE oder Huawei die großen nationalen Technologieanbieter beliefern wollen. Selbst ZTE-CEO Hou Weigui hält es aufgrund dieser politischen Hürden für unwahrscheinlich, dass ZTE in naher Zukunft wesentliche Aufträge von US-Anbietern bekommen wird. Dennoch will er weiter am amerikanischen Markt bleiben.

    F&E als Gatekeeper

    ZTE ist außerordentlich aktiv im Bereich F&E. Jährlich gibt das Unternehmen etwa 10% seines Umsatzes für F&E aus und beschäftigt dafür 27.941 Mitarbeiter, bzw. knapp 33% der gesamten Belegschaft. Damit werden auch die 17 F&E-Zentren unterhalten, die ZTE weltweit hat, etwa in Schweden, Frankreich, Indien, Pakistan, China, Deutschland und den USA. Erst Mitte 2011 unterzeichnete ZTE mit der Technischen Universität Dresden einen Kooperationsvertrag zum Aufbau eines gemeinsamen F&E-Zentrums in Dresden. Diese rege Forschungstätigkeit bringt viele Erfindungen hervor, so hat ZTE, eigenen Angaben zufolge, insgesamt schon 30.000 Patente angemeldet.

    ZTE ist sich der Bedeutung von Schutzrechten für geistiges Eigentum (engl. intellectual property) bewusst, das Unternehmen beschäftigt etwa 200 Patentanwälte. Vor allem Europa und die USA seien „Hochrisiko-Regionen", wenn es um die Gefahr geht, wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen verklagt zu werden, was meist mit hohen Kosten verbunden ist. Aktuell gibt es Rechtsstreitigkeiten u.a. mit Ericsson in Großbritannien, Italien und Deutschland. Aber auch am Heimatmarkt China wird mit harten Bandagen gekämpft, dort liegt man im Streit mit dem größten Widersacher Huawei. Schauplätze der Auseinandersetzung mit Huawei sind u.a. Frankreich und Deutschland. Und auch die Frage nach Lizenzzahlungen an Google für die Nutzung des Android OS auf Mobilfunkgeräten ist noch nicht geklärt.

    Im folgenden Schaubild ist zu sehen, wie sich die Anzahl der Schutzrechte, die ZTE anmeldete, in den Jahren 1995-2007 entwickelte. Seit das Unternehmen 1999 erstmals geistiges Eigentum schützen lies, haben sich die Anmeldungen stetig gesteigert und 2007 erstmals 5.000 Anmeldungen überschritten. Im Vergleich zu 2006 haben sich die Anmeldungen im Jahr 2007 fast verdoppelt. Außerdem ist der Anteil der Patente an der Gesamtanzahl der Anmeldungen sehr hoch: Selbst 2007, als der Anteil der Gebrauchsmuster höher lag als in den Jahren zuvor, waren dennoch etwa 90% der Anmeldungen Patente. Bemerkenswert ist diese Tatsache deshalb, da Patente kosten- und forschungsintensiver sind als Gebrauchsmuster, dafür gewähren sie aber auch doppelt so lange Schutz.

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    Die Bereiche in denen ZTE Schutzrechte anmeldete, sind in der folgenden Abbildung dargestellt. Dominant ist dabei selbstverständlich der Bereich „Telekommunikation“, in dem ZTE weit mehr als 10.000 Patente und Gebrauchsmuster hält, alleine mehr als 10.000 Patente. Im Bereich „Informationstechnologie“ hat das Unternehmen immerhin noch mehr als 1.200 Patente und einige Gebrauchsmuster angemeldet. Auch in den Bereichen „Elektrische Geräte, Engineering, Energie“; „Analyse-, Mess-, und Kontrolltechnik“ und „Audiovisuelle Technologie“ hat ZTE Patente und Gebrauchsmuster angemeldet, allerdings bei weitem nicht so viele wie in den Bereichen „Telekommunikation“ oder „Informationstechnologie“.

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    In der nächsten Abbildung wird gezeigt, wie sich die Schutzrechte, die ZTE in den letzten Jahren angemeldet hat, regional verteilen. Dabei werden immer fünf Jahre zu einem Balken zusammengefasst. Da ZTE vor 1999 noch keine Schutzrechte angemeldet hatte, zeigt das Schaubild nur zwei Balken: Der Balken der Jahre 1998-2002 ist wenig ausgeprägt, dennoch ist schon der Anfang der Internationalisierung zu erkennen. ZTE hielt schon in den Jahren 1999-2002 Schutzrechte in den USA die weltweit Geltung besitzen. Im Vergleich dazu ist der Balken, der die Schutzrechte der Jahre 2003-2007 darstellt, unverhältnismäßig groß. Die Anzahl der Schutzrechte stieg von etwa 1.000 auf weit über 12.000 und auch die internationale Verteilung veränderte sich. Inzwischen hält ZTE über 2.000 Schutzrechte außerhalb Chinas, vor allem in den USA und Europa. Dazu kommen noch über 500 weltweit geltende Patente.

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    Neben Patenten und Gebrauchsmuster, die Erfindungen schützen, hat sich ZTE auch Trademarks eintragen lassen, die den Markennamen und das Markenzeichen des Unternehmens schützen. In seinem Heimatmarkt China hält das Unternehmen insgesamt über 300 Trademarks, mehr als in den anderen Ländern der Welt zusammen. In anderen asiatischen Ländern hält das Unternehmen dagegen nur wenige Trademarks: Spitzenreiter ist Indien mit zehn eingetragenen Trademarks. Anders sieht es auf dem europäischen Markt aus, wo ZTE verhältnismäßig stark vertreten ist; zwar meldete das Unternehmen kaum nationale Trademarks an, dafür hält es mehr als 25 europaweit geltende.

    Mehr Trademarks als in Europa hat ZTE nur in den USA, wo das Unternehmen mehr als 35 Trademarks schützen lies. Auch in Südamerika besitzt ZTE einige Trademarks, vor allem in Brasilien ist das Unternehmen stark vertreten, doch auch in Mexiko, Kolumbien und Venezuela schütz ZTE über Trademarks seinen Markennamen und sein Markenzeichen. ZTE hat sich also bezüglich den Schutzrechten in den Märkten, die es für wichtig für die Zukunft des Unternehmens betrachtet, gut aufgestellt.

    ZTE_IP4
    References

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